Landesgartenschauen als Impuls für grüne Stadtentwicklung – FLN bringt Kommunen in Bad Nenndorf zusammen

Wie können Landesgartenschauen langfristige Stadtentwicklung anstoßen? Welche Voraussetzungen müssen Kommunen schaffen – und welche Erfahrungen aus laufenden und vergangenen Gartenschauen helfen auf dem Weg von der ersten Idee bis zur Umsetzung? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Informationsveranstaltung der Fördergesellschaft Landesgartenschauen Norddeutschland (FLN) am 13. August 2026 auf der Landesgartenschau Bad Nenndorf.

Vertreterinnen und Vertreter aus 13 Kommunen waren der Einladung der FLN nach Bad Nenndorf gefolgt. Ziel der Veranstaltung war es, Kommunen, die sich mit dem Instrument Landesgartenschau beschäftigen, mit Fachleuten sowie Verantwortlichen aus aktuellen und künftigen Gartenschaustädten zusammenzubringen und einen offenen, praxisnahen Erfahrungsaustausch zu ermöglichen.

Zum Auftakt erhielten die Teilnehmenden bei einer Führung über das Gelände der Landesgartenschau Bad Nenndorf einen unmittelbaren Einblick in die Umsetzung einer Gartenschau. Im anschließenden Fachprogramm begrüßte Dr. Kirsten Hendricks, Geschäftsführerin des Niedersächsischen Städtetages, die Gäste.

Von der Machbarkeitsstudie bis zur langfristigen Wirkung

Im Mittelpunkt des Nachmittags stand die von Harald Kusserow moderierte Podiumsdiskussion „Von der Bewerbung bis zur Durchführung“. Die einzelnen Stationen auf dem Weg zu einer Landesgartenschau wurden dabei aus unterschiedlichen fachlichen und kommunalen Perspektiven beleuchtet.

Jan-F. Kobernuß, Geschäftsführer der ift Freizeit- und Tourismusberatung GmbH, erläuterte die Bedeutung einer fundierten Machbarkeitsstudie als Grundlage für die kommunale Entscheidung. Andreas Eickmann, Stadtbaurat der Stadt Cuxhaven, berichtete aus der Perspektive einer Kommune, die das Bewerbungsverfahren für die Landesgartenschau 2034 erfolgreich durchlaufen hat.

Den Übergang von der Bewerbung zur konkreten räumlichen Planung beleuchtete Christian Jürgensmann, Landschaftsarchitekt bdla, unter anderem mit Blick auf den Realisierungswettbewerb für die Landesgartenschau Duderstadt 2030. Benjamin Lotz, Geschäftsführer der Landesgartenschau Bad Nenndorf gGmbH, gab Einblicke in die organisatorischen, personellen und praktischen Anforderungen bei Vorbereitung und Durchführung einer Landesgartenschau.

Die langfristige Perspektive brachte Christian Wandscher, Geschäftsführer der Bad Zwischenahner Touristik GmbH, in die Diskussion ein. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie eine Stadt auch lange nach dem eigentlichen Veranstaltungsjahr von den entstandenen Anlagen, Investitionen und Impulsen profitieren kann.

Landesgartenschau ist mehr als ein Veranstaltungsjahr

Eine zentrale Erkenntnis der Diskussion: Eine Landesgartenschau sollte nicht in erster Linie als sechsmonatige Veranstaltung verstanden werden, sondern als Instrument langfristiger Stadtentwicklung.

Sie kann zum gemeinsamen Planungsdach werden, unter dem unterschiedliche Aufgaben einer Kommune zusammengeführt werden – von Grün- und Freiraumentwicklung über Klimaanpassung und Mobilität bis hin zu Tourismus, Wirtschaftsförderung und Innenstadtentwicklung.

Damit verbunden ist die Notwendigkeit, von Beginn an über das Veranstaltungsjahr hinauszudenken. Welche Anlagen bleiben dauerhaft bestehen? Wie können sie langfristig gepflegt und finanziert werden? Wie lässt sich das während der Gartenschau entstandene bürgerschaftliche Engagement erhalten? Und welchen nachhaltigen Nutzen soll die Investition für Stadt und Region entfalten?

Deutlich wurde auch, wie wichtig breiter Rückhalt in Politik und Bürgerschaft, frühzeitige Beteiligung und transparente Kommunikation für ein solches langfristiges Projekt sind.

Erfahrungen weitergeben

Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war der Wissenstransfer zwischen den Gartenschaustädten. Planung, Vergabe, Fördermittel, Personalaufbau, Öffentlichkeitsarbeit und die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Behörden stellen Kommunen vor zahlreiche Herausforderungen.

Umso wichtiger ist es, Erfahrungen aus bereits durchgeführten oder laufenden Landesgartenschauen weiterzugeben. Nicht jede Kommune sollte dieselben Fragestellungen und Schwierigkeiten von Neuem lösen müssen. Der offene Austausch darüber, was sich bewährt hat – und ebenso darüber, was im Rückblick anders gemacht werden würde – kann künftigen Gartenschaustädten wertvolle Orientierung geben.

Fördermöglichkeiten frühzeitig mitdenken

Zum Abschluss des Fachprogramms richtete Teresa Zimmermann von MCON Dieter Meyer Consulting GmbH, Oldenburg, den Blick auf die Nutzung von Förderprogrammen für eine grüne Stadtentwicklung.

Damit wurde ein weiterer wesentlicher Baustein aufgegriffen: Die Entwicklung einer Landesgartenschau ist eng mit langfristigen kommunalen Investitionen verbunden. Fördermöglichkeiten und die jeweiligen Rahmenbedingungen sollten daher möglichst frühzeitig in die Projektentwicklung einbezogen werden.

Austausch mit Kommunen soll fortgesetzt werden

Für die FLN hat die Veranstaltung gezeigt, wie groß das Interesse an einem praxisnahen Austausch rund um Landesgartenschauen und grüne Stadtentwicklung ist.

Landesgartenschauen bieten die Chance, Planungsprozesse zu bündeln, Investitionen anzustoßen, Grün- und Freiräume dauerhaft aufzuwerten und neue Kooperationen innerhalb einer Kommune und darüber hinaus entstehen zu lassen. Entscheidend ist dabei, den Blick nicht allein auf Besucherzahlen und das Veranstaltungsjahr zu richten, sondern auf die langfristigen Wirkungen für Stadt, Region und Bevölkerung.

Die FLN möchte den Austausch zwischen interessierten Kommunen, Gartenschaustädten und Fachleuten deshalb auch künftig weiter fördern und als Ansprechpartnerin für das Thema Landesgartenschauen zur Verfügung stehen.